Der Opel Calibra - Sportler ohne Nachfolger
Der Beginn der 90er Jahre war für mich persönlich geprägt vom Mauerfall und seinen Auswirkungen, von meinem Studium und natürlich vom Automarkt dieser Zeit. Neben der Tatsache, dass der Gebrauchtwagenmarkt monatelang wie leergefegt war, bot der Neuwagenmarkt die eine oder andere schicke Neuerung.
An eine erinnere ich mich besonders gerne zurück, weil sie von einem Menschen begleitet wurde, der sich tief in Geduld üben musste. Aber alles der Reihe nach.
Die schicke Neuerung war der Opel Calibra. Deshalb schick, weil er das Image des B-Manta abzuschütteln versuchte und als ein eigenständiges Sportcoupé 1990 auf den Markt kam. Gut, die Plattform kam vom Opel Vectra, ebenso wie die Basismotorisierung mit 2 Litern Hubraum und 115 PS. Der „16V“ allerdings war mit seiner Vierventiltechnik, den beiden oben liegenden Nockenwellen und den 150 PS durchaus flott unterwegs. Das war es dann auch schon mit den Motorvarianten zur Markteinführung. Die Besonderheit war dann eher bei den Antriebskonzepten zu suchen. Nach dem Vectra 4x4 setzte Opel mit dem Calibra 4x4 Zeichen. Allerdings sind von den gut 239.000 Exemplaren des Calibra gerade einmal knapp 3.400 Stück mit Allradantrieb (ohne Calibra Turbo 4x4) aus den Produktionshallen gerollt. Aber gerade das macht ihn als frisch gebackenen Youngtimer und als zukünftigen Oldtimer durchaus interessant.

Mich verbindet mit dem Opel Calibra ein Kommilitone, der sich in besagtem ersten Produktionsjahr des Calibra entschied, ein neues Exemplar käuflich zu erwerben. Naturgemäß ist der Run auf ein neues Modell in den ersten (24) Monaten durchaus nicht zu unterschätzen. Die Produktionszahlen des Calibra erreichten im Jahr 1991 mit knapp 68.000 Modellen jedenfalls ihren Höhepunkt. Und genau in diesen Trend hinein bestellte mein Leidensgenosse seinen Calibra. Dazu kommt, dass man als Student jede Mark mehrfach umgedreht hat, bevor sie ausgegeben wurde. Und für einen Calibra, es handelte sich hier übrigens um das Basismodell mit 115 PS, wurden knapp 37.000 D-Mark fällig. Was macht der schlaue Autokäufer also: Er handelt so lange mit dem Händler seines Vertrauens, bis ein passendes Rabattmodell steht. So auch in diesem Fall. Neben der Lieferzeit, ich weiß nicht mehr wie lange sie damals betrug, wurde zum Beispiel vereinbart, dass der Wagen von Student P. noch mehrere Monate im Showroom des Händlers als Anschauungsobjekt dient. Das erhöhte die „Lieferzeit“ dann mal auf knappe 12 Monate. Das lag schon deutlich über den 9 Monaten, die ich seinerzeit auf die erste Generation des Mercedes-Benz SLK gewartet habe. Aber Sparen war angesagt, wir waren schließlich Studenten. Dem Sparwahn fiel dann auch noch das Autoradio zum Opfer, welches gegen ein gebrauchtes ausgetauscht wurde. Das Fatale daran war, dass sich Anfang der 90er Jahre RDS-Autoradios durchsetzten und jenes Gebrauchtgerät zwar aus gutem Hause kam, aber noch manuelle Senderabstimmung verlangte. Na ja, der Zweck heiligt die Mittel und so gab es dann 1992 endlich die lang ersehnte Zusammenkunft zwischen P. und dem Calibra. Sie haben lange aufeinander gewartet, wie lange die „Beziehung“ schließlich gedauert hat, kann ich nicht mehr sagen. Denn irgendwann endet auch das schönste Studium.
Der Calibra wurde noch bis 1997 gebaut. Wesentlich waren die Einführung des Calibra Turbo 4x4 1992 und des Sechszylindermodells 2.5 V6 1993. Opel typisch gab es bis zum Produktionsende 14 Sondermodelle, von denen sicherlich die Keke Rosberg Edition und die DTM Edition 1995 herauszuheben sind sowie die Cliff Motorsport Edition 1996 und die Last Edition 1997.
Den Calibra zeichnet außerdem die Tatsache aus, dass er keinen Nachfolger hat, der in die Fußstapfen des zweitürigen und 2+2 –sitzigen Sportcoupés treten kann. Das macht ihn für Fans von Youngtimern sicher noch interessanter, weil unverwechselbarer. Der Calibra hat seine feste Fangemeinde, die die Tradition des künftigen Klassikers pflegen. Ein Anlageobjekt mit Aussicht auf hohe Umsätze wird der Calibra eher nicht sein. Bei der Rendite kann die Perspektive durchaus gut sein, wenn man auf ein unverbasteltes Sondermodell oder einen Allradler stößt.

Eine besonders große Auswahl bietet der Markt hier derzeit nicht. Ich wünsche viel Spaß beim Suchen und Finden.



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