Klassiker von Morgen: Der Porsche 911 (Typ 993)
911% Faszination. So kündigte Porsche den neuen 911 (Typ 993) 1993 vollmundig an. Was für die einen wie ein Schock ist, ist für die anderen die wohltuende Verjüngung eines zu diesem Zeitpunkt immerhin 30 Jahre alten Mythos. Die bullige Form des Vorgänger-Elfers (Typ 964) weicht dem eleganten, flachen und weniger gewölbten Aufbau des 993. Der große Wurf musste auch gelingen, wollte sich Porsche aus der Krise fahren. Wendelin Wiedeking, der im Geschäftsjahr 1993/1994 den Vorstandsvorsitz von Porsche übernommen hatte, wollte mit 911% wohl an das Selbstbewusstsein der Marke und die Erfolge der vergangenen Jahre appellieren. Wie wir alle wissen, ist die Ära Wiedeking durchaus als erfolgreich zu bewerten. Ob der 993 daran maßgeblich beteiligt war, oder ob der 2 Jahre später auf den Markt gebrachte Porsche Boxster (Typ 986) die wirtschaftliche Trendwende eingeläutet hat, mögen die Finanzexperten entscheiden.

Der Zuffenhausener Sportwagen der Jahre 1994 bis 1998 gibt sich in seiner Grundform also nachhaltig verändert. Auch innen zeigt er sich mit verbesserter Ergonomie, wenngleich die Verwandtschaft mit dem 964 weiterhin zu sehen und zu spüren war. Technisch ist vor allem das durch die Entwicklung der Vierlenker-Führung der Hinterachse verbesserte und allgemein gelobte Fahrverhalten ein echter Mehrwert. Auch der weiterentwickelte Boxermotor, der anfangs aus den 3,6 Litern Hubraum 272 PS mobilisiert, erfreut das Herz des Porschefahrers. Bei Preisen ab ca. 125.000 DM für das Coupé (im Jahr 1994) setzte der Elfer die „Hochpreistradition“ seiner Vorgänger nahtlos fort. Angeboten wurde der 993 als Carrera 2 und als Allradvariante Carrera 4, als Targa und als Turbo sowie als Carrera S und Carrera 4S. Die besonders sportlichen Versionen Carrera RS und GT2 komplettierten das Programm.
Was macht den 993 eigentlich heute so besonders? Ist es die elegante und zeitlose Form, die beim Supersportwagen 959 entlehnt wurde? Die Formfrage trifft aus meiner Sicht für den 911 grundsätzlich zu. Denn zeitlos sind sie alle, vom Ur-Elfer bis zum aktuellen Modell, dem Typ 997. Ist es das Prädikat „Der beste Elfer aller Zeiten“, das das Sportfahrermagazin „ralley racing“ seinerzeit vergeben hat? Wohl eher nicht, denn die Entwicklung der Ikone aus Zuffenhausen ist ja nicht stehen geblieben. Ein 997 ist heute sicherlich das Maß aller Dinge. Oder ist es doch die Tatsache, dass der Typ 993 als letzter seiner Art gilt? Damit ist die bis dahin für Porsche typische Luftkühlung der Motoren gemeint. Seit dem 996 werkelt unter der Motorhaube ein völlig neu konstruierter Motor mit Wasserkühlung. Damit wird der 993 von vielen Liebhabern als letzter „echter“ Elfer bezeichnet und bekommt eine besondere Stellung unter den seit weit über 40 Jahren verkauften 911.
Das führt auf dem Gebrauchtwagenmarkt dazu, dass für den 911, Typ 993, obwohl noch nicht einmal ein Youngtimer, geschweige denn ein Oldtimer, wirkliche Liebhaberpreise gezahlt werden. Es ist übrigens egal, ob es sich um ein gängiges Carrera Coupé handelt, oder um einen deutlich selteneren Turbo. Die Preise für einen 993 liegen bei vergleichbarer Kilometerleistung fast immer über denen seines deutlich jüngeren Nachfolgemodells 996. Ich gehe davon aus, dass sich die „Gebrauchtwagenpreise“ für einen 993 auf diesem hohen Niveau halten werden und in etwas über 13 Jahren, wenn die ersten Fahrzeuge mit H-Kennzeichen auf unseren Straßen rollen, die Preise nochmals deutlich anziehen werden. Für Anleger also eine gute Wahl.
Und denen, die die zum Teil horrenden Anschaffungskosten scheuen, sei gesagt, dass es immer noch Schnäppchen gibt (habe ich vor kurzem im Bekanntenkreis erlebt) und der 993 im Vergleich zu seinem Vorgänger als weniger wartungsintensiv gilt. Ein schwacher Trost angesichts der hohen Nachfrage und der per se teuren Wartung für einen Porsche...



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