Let the good times rock
Es war einmal... Ok, das klingt schon sehr nach dem Beginn eines klassischen Märchens der Gebrüder Grimm. Aber irgendwie war es damals auch so...
Also: Wir schreiben das Jahr 1988. Meine automobile Welt bestand damals aus fahrbaren Untersätzen, die in der Anschaffung günstig und im Unterhalt sehr günstig waren. Mit viel Liebe, sehr viel Zeit und etwas handwerklichem Geschick (hier gebührt mein Dank definitiv meinem Vater), habe ich aus dem Nichts immerhin (für meine Begriffe) ansehnliche Gehhilfen mit 4 Rädern geschaffen. Richtige Autos waren anders.
Genau in dieser Zeit kam in meinem Dorf ein Bekannter, übrigens genauso alt wie ich, mit dem ersten BMW M3 (natürlich ein E30) um die Ecke. Knallrot und 100%ig der Traum eines jeden jungen Mannes. Sorry Mädels, aber die Krawallkutte des M3 war irgendwie zugeschnitten auf uns Jungs. Wir haben uns jedenfalls die Nasen an diesem Auto platt gedrückt. Und für eine „Probefahrt“ hätten wir unsere rechte Hand gegeben. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass der Tanz um dieses Auto richtig zelebriert wurde. Und natürlich hat keiner von uns den M3 je zur Probe gefahren. Voller Genuss ist T. (der Name des Fahrers bleibt aus Sicherheitsgründen unerwähnt) dann eingestiegen, wohl wissend, dass er alle Trümpfe in der Hand hält, und ist lautstark losgezogen.
Heute, mehr als 22 Jahre nach der denkwürdigen Einführung des BMW M3 in unserem Dorf ist der M3 immer noch Objekt der Begierde. Ob in der aktuellen Version mit mehr als doppelt so viel Leistung (und doppelt so vielen Zylindern) wie der Ur-M3 oder in einer der Zwischenstufen als E36 oder E46. Für mich ist der M3 immer noch und immer wieder ein Hingucker, egal in welcher Version. Ich mag dieses Auto und seine Philosophie.
Nun, wenn man ein Auto mag und einen Jugendtraum damit verbindet, dann liegt es nahe, dass man sich die „good times“ zumindest in die Garage stellt. Und dann holt einen die Realität sagenhaft schnell ein und verpasst einem einen Fausthieb genau dahin, wo es richtig weh tut. Was ist passiert?
Der Ur-M3, so wie ich ihn in Erinnerung habe, ist natürlich nicht gealtert und steht genau so da, wie er es 1988 getan hat. Knallrot, gepflegt und natürlich unverbastelt.
Damit beginnt das Problem Nr. 1. Einen Original-Ur-M3, selbst als simples Normalmodell ohne Sport, Evolution und auch ohne Cecotto gibt es einfach nicht mehr. Jeder, wirklich jeder, der einen solchen Wagen sein Eigen nennt oder nannte, hat mindestens die originalen Felgen abgeschraubt und gegen „Was-weiß-ich-Hauptsache-größer“ Felgen ersetzt. Dann kam das Fahrwerk, die Abgasanlage, der Motor, etc. dran. Hauptsache, dass ein eh schon individuelles Auto noch individueller wurde. Leider wurde der Charakter des M3 damit häufig genug verbogen. Theoretisch könnte man viele dieser Anbauten auch wieder zurückbauen, wäre da nicht das Problem Nr.2.
Irgendwann scheint jemand mal gesagt zu haben, dass der M3 (ich beziehe mich jetzt mal nur auf den E30) immer mehr wert wird. Das ist für die Sondermodelle, die noch hübsche Namenserweiterungen tragen, auch nicht von der Hand zu weisen. Der „Cecotto“ wurde 505 mal gebaut, der „Ravaglia“ gar nur 148 mal. Geringe Stückzahlen von Kultobjekten sind nun mal ein Garant für Wertsteigerungen. Was die meisten aber missverstanden haben, ist der Unterschied zwischen „mehr wert“ und „teurer“. Meine sicherlich nicht repräsentative Stichprobe hat ergeben, dass selbst ein Normalmodell des E30 M3 mit üppig Laufleistung und gepimpt (gibt es ja nicht ohne Pimp: s.o.) mit locker fünfstelligen Euros zu Buche schlägt. Ich möchte keine technische Bewertung abgeben, aber der einfache Blick auf die Innenausstattung verrät auch dem Ungeübten, dass die meisten M3 schon bessere Tage gesehen haben. Und natürlich haben die meisten M3 nie eine Rennstrecke gesehen;-) Jedenfalls keine offizielle!
Liebe Freunde des Ur BMW M3, seid froh, wenn ihr bereits einen M3 euer Eigentum nennen könnt. Seid überglücklich, wenn er noch im Originalkleid da steht. Liebe Interessenten des Ur-M3, Problem Nr. 1 und Problem Nr. 2 sind zwei heftige Kröten, die es zu schlucken gilt. Aber vielleicht gibt es ja besonnene Menschen, die unverbastelte Jugendträume zu bezahlbaren Konditionen abgeben. And then: Let the good times rock. Ich drücke jedenfalls die Daumen, auch für mich selbst. Nicht, dass der E30 mal so enden muss...




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