Wertentwicklung bei Oldtimern - eine Raketenwissenschaft
Mal ganz ehrlich, ich verstehe den Oldtimermarkt von Zeit zu Zeit überhaupt nicht. Oder umgekehrt, der Oldtimermarkt versteht mich nicht. Egal, wie ich es drehe und wende, es gibt Punkte, die strotzen nur so vor Intransparenz, sind aber z.B. immens wichtig für eine Kaufentscheidung.
Nehmen wir mal die Preisentwicklung auf dem Oldtimermarkt. Gut, es gibt einen DOX, der gemessen an ein paar ausgewählten Oldtimern die Preisentwicklung verfolgt. Aber reicht das, wenn Sie sich gerade für einen bestimmten Typ interessieren, der nicht Teil des DOX ist? Das kommt darauf an. Manche Menschen glauben, dass man die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland am DAX ablesen kann. Warum sollte man dann also die wirtschaftliche Entwicklung von Oldtimern nicht am DOX ablesen können?
Nehmen wir mal an, dass Sie nicht zur Gruppe derer gehören, die sich vom DAX, Dow Jones oder sonstigen Indexen den Tag versauen lassen. Sie schauen direkt auf das Objekt Ihrer Begierde (das kann übrigens ein Oldtimer oder Youngtimer, ebenso wie eine Aktie sein: alles sind Sachanlagen). Doch wie misst man in einem solchen Fall die Wertentwicklung? Was kostete ein bestimmter Typ vor 5 Jahren, was heute und wie wird er sich in weiteren 5 Jahren entwickelt haben?
Am Beispiel vom Volkswagen Karmann Ghia stellen Sie sich also zunächst die scheinbar einfache Frage, was Sie heute für ein Cabrio mit 44PS aus der zweiten Hälfte der 60er Jahre hinblättern müssen? Sie fragen bei Interessengruppen oder Clubs nach, Sie studieren die Angebote der einschlägigen Internetportale, Sie diskutieren mit den bekannten Marktbeobachtern und deren Marktspiegeldaten. Vielleicht kennen Sie auch jemanden, der ebenfalls ein solches Fahrzeug besitzt. Kurz und gut, Sie bekommen eine Bandbreite an Preisvorstellungen, die natürlich vom Zustand und der Historie der Klassiker abhängig sind. Im Fall des Typ 14 Cabrio vielleicht zwischen 5.000 Euro und 50.000 Euro.

Was Ihnen das automobile Kulturgut heute wert ist, müssen Sie also selbst einschätzen. Sie entscheiden sich für die goldene Mitte und erwerben einen Oldtimer Volkswagen Karmann Ghia der Note 2+ (Sie wollen nicht noch Arbeit reinstecken) für 25.000 Euro. Aber vielleicht wird Ihnen jetzt plötzlich klar, dass die Wertentwicklung trotz dieses spezifischen Fahrzeugs gar nicht leicht einzuordnen ist.
Was kostete dieser Typ 14 vor 5 Jahren? Um wie viel Prozent hat sich sein Wert in dieser Zeit entwickelt? Der beste (und vielleicht neutralste) Ratgeber sind jetzt die Marktspiegeldaten der bekannten Marktbeobachter. Aber wie kommen Sie daran? Leider gibt es keine Bibliothek, in der man sich diese Marktbeobachtung einfach ausleihen könnte. Hier hilft vielleicht ein Bekannter, der zufällig ein Exemplar im Schrank stehen hat oder 3-2-1-meins, wo eine 5 Jahre alte Dokumentation angeboten wird. Wie dem auch sei, eine genaue Recherche kann durchaus zum Erfolg führen und Ihnen ebenfalls eine Bandbreite an Preisen liefern.
Aber was bringt Ihr Oldtimer in 5 Jahren? Eine durchaus berechtigte Frage, denn ein Oldtimer (und auch ein Youngtimer) sind heute als interessante und alternative Sachanlagen zu betrachten (die ganzen emotionalen Nebeneffekte lasse ich an dieser Stelle einfach mal unter den Tisch fallen). Gut, Sie können jetzt entgegnen, dass kein Mensch die Entwicklung von DAX-notierten Unternehmen in 5 Jahren vorausschauen kann. Richtig, aber die „Dokumentation“ des Status Quo (Geschäftsberichte, etc.) lassen zumindest für heute meistens keine Frage offen und geben gute Hinweise für die zukünftige Entwicklung. Ganz im Gegensatz zu dem gerade (beispielhaft) erworbenen Klassiker, oder?
Hinsichtlich der Wertentwicklung ist die Vergangenheit schon schwierig aufzuarbeiten, ein genaues Bild der Gegenwart lässt sich trotz vieler Möglichkeiten meist auch nicht zeichnen und die Zukunft ist für jeden von uns höchstens gefühlt fassbar. Was macht also die Experten der Branche so sicher, dass sich der Oldtimermarkt tatsächlich so positiv entwickelt hat und weiter entwickeln wird? Oder ist das alles nur ein Gefühl der Experten? Und damit wären wir wieder bei der Raketenwissenschaft. Für die meisten von uns schlicht zu hoch...
Fragen Sie über 1.500 Experten!
Suche
Expertenanfrage
Neue Kommentare
Blogroll


Kommentare
Das Interesse an Oldtimer wächst stetig. Einige Modelle sind in den vergangenen Jahren bis zu 60 Prozent im Wert gestiegen. Unerfahrene Neueinsteiger sollten sich jedoch bei einem Profi informieren, damit sie nicht Schrott investieren. Wer sich für einen Oldtimer als Kapitalanlage entscheidet, sollte sich daher zunächst gründlich informieren, z.B.: www.oldtimer-klatt.com (Spezialisten für Mercedes Fahrzeuge).
Auch interessant ist der MOSSI Index von Myoldtimerscout. Dieser bildet die Wertentwicklung von klassischen Sportwagen ab. Siehe Link zum MOSSI: http://www.myoldtimerscout.com/magazine/details/13